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Die erste Fahrrad-Bürgermeisterin der Welt im Interview

2016 wurde Anna Luten in Amsterdam zur ersten Fahrrad-Bürgermeisterin weltweit gewählt. Inzwischen lebt die Niederländerin in New York City und arbeitet daran, das von der NGO ‚BYCS‘ ins Leben gerufene Programm des Fahrrad-Bürgermeisters auch dort zu etablieren. Was sich hinter dem Ehrenamt verbirgt, auf welchen Erfolg Anna besonders stolz ist und was sie antreibt, erfahren Sie im Interview.

Anna Luten

1.  Anna, du warst die weltweit erste Fahrrad-Bürgermeisterin. Wie kam es zu diesem Amt?

Vor ein paar Jahren stellte sich für Amsterdam eine Frage: Was können wir tun, um unsere Radfahrkultur zu fördern, zu verbessern und zu verbreiten? Die Lösung bestand in der Einführung des neuen Programms „Fahrrad-Bürgermeister“, einer weltweiten Initiative, mit der die Fortschritte im innerstädtischen Radverkehr beschleunigt und eine weitere Milliarde Menschen zum Radfahren animiert werden sollen. 

Als Inspiration für das Amt des Fahrrad-Bürgermeisters diente das erfolgreiche Amsterdamer Programm für einen Nachtbürgermeister, mit dem man herausfinden wollte, wie die nächtliche Wirtschaft in der Stadt unterstützt werden könnte. Will man Städte für Radfahrer und Fußgänger sicher machen, bedarf es Straßen, die auf den Menschen ausgerichtet sind – und einer zuständigen Person, die den Wandel federführend begleitet. Daher hat Amsterdam den Beschluss gefasst, für das Radfahren einen ähnlichen Ansatz zu verfolgen. 

 

2.  Woher kommt deine Leidenschaft für das Radfahren? 

Als Niederländerin bin ich mit dem Fahrradfahren groß geworden. Das war ganz normal, ich habe da gar nicht weiter darüber nachgedacht. Erst durch ein paar Leute aus anderen Ländern, die in Amsterdam lebten, ist mir klar geworden, wie außergewöhnlich und einzigartig unsere Fahrradkultur ist. Sie haben mir gezeigt, dass es etwas Schönes ist, mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren. Gerade mit E-Bikes und E-Cargo Bikes ist man dort einfach schneller und gleichzeitig auch noch mit mehr Spaß unterwegs als mit dem Auto. Nun, da ich nicht mehr dort lebe, merke ich stärker als je zuvor, wie besonders und reibungslos unser System ist. Man muss einfach nur mit dem Strom mitfahren. Natürlich fahre ich auch in New York gern mit dem Fahrrad, vor allem auch, weil es so viel Platz gibt. Aber ich vermisse es, in Amsterdam an den Grachten entlangzuradeln, ohne mir Sorgen zu machen, von einem Auto angefahren zu werden.

 

3.  Welche Aufgaben hat eine Fahrrad-Bürgermeisterin?

Fahrrad-Bürgermeister fungieren als Brückenbauer für die städtische Fahrradkultur. Sie bringen öffentliche Stellen und private Organisationen zusammen, um die erheblichen wirtschaftlichen, gesundheitlichen und ökologischen Vorteile einer stärkeren Ausrichtung auf das Fahrrad aufzuzeigen und Innovationen zu fördern, mit denen das Radfahren für alle zu einem besseren Erlebnis wird. Ganz wichtig ist, dass sie keine Aktivisten, sondern Katalysatoren sind, bestrebt, mit allen Interessenträgern der Stadt zusammenzuarbeiten. 

Als Fahrrad-Bürgermeisterin hat man keine direkte Befugnis, Änderungen anzuordnen, aber man findet im Rathaus Gehör, und die Menschen vertrauen einem. Als ich das Amt 2016 antrat, habe ich zunächst einfach zugehört, was die Stadt braucht. Ich habe lange Meetings abgehalten, in denen wir neue Ideen entwickelt haben, und dann Treffen mit größeren Organisationen ausgerichtet, um diese Ideen umzusetzen. Meine Erkenntnisse sind dann in den offiziellen Radfahrplan der Stadt für die nächsten vier Jahre eingeflossen. 

Der Vorteil an dem Modell des Fahrrad-Bürgermeisters besteht darin, dass die Städte ganz unabhängig von der Phase, in der sie sich befinden, davon profitieren können. In Städten, in denen das Radfahren stetig, aber nur langsam vorankommt, kann die Persönlichkeit eines Fahrrad-Bürgermeisters Stadtplaner beeinflussen und die Öffentlichkeit mitnehmen. In Städten, in denen eine Fahrradinfrastruktur erst noch geschaffen werden muss, stellt die Einführung eines Fahrrad-Bürgermeisters einen ersten einfachen und konkreten Schritt dar, mit dem der Dialog gefördert und das Wissen eines weltweiten Netzwerks genutzt werden kann. 


4.  Du warst Fahrrad-Bürgermeisterin von Amsterdam, das als die fahrradfreundlichste Stadt der Welt gilt. Kannst du das nach deiner Amtszeit bestätigen?

Amsterdam ist in vielfacher Hinsicht die Stadt der Fahrräder. Ein Grund dafür ist die umfangreiche Fahrradinfrastruktur, aber es liegt auch an der Kultur. Fahrradfahrern und Fußgängern wird im städtischen Ökosystem Vorrang eingeräumt, wodurch außerdem dafür gesorgt wird, dass Gesundheit, Glück und Gemeinschaft in Amsterdam ebenfalls Priorität genießen. 

Allerdings war Amsterdam nicht immer fahrradfreundlich. In den 70er-Jahren waren die Straßen in den Niederlanden weitgehend unsicher, und es gab massive Proteste gegen die verstopften Straßen in den Städten. Schließlich haben diese Proteste einen kulturellen Wandel bewirkt, und die Straßen von Amsterdam wurden eine nach der anderen mit Fahrradwegen umgestaltet. 

Aber es blieb noch Arbeit zu tun. Denn nun litt die vorhandene Infrastruktur von Amsterdam unter der großen Zahl von Radfahrern. Hätte die Stadt keine mutigen Änderungen vorgenommen, wären die Straßen immer voller geworden und die Sicherheit würde leiden. Amsterdam brauchte ganz klar Innovationen, und deswegen wurde das Programm des Fahrrad-Bürgermeisters ins Leben gerufen. 

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Städte innovativ bleiben müssen. Damit die fahrradfreundliche Kultur erhalten bleibt, muss nach immer neuen Lösungen zur Bewältigung der aktuellen Probleme gesucht werden. In dieser Hinsicht leistet Amsterdam ausgezeichnete Arbeit.

 
5.  Du bist 2017 nach New York gezogen. Worin bestehen die Hauptunterschiede zwischen dem Radfahren in Amsterdam und in New York? 

Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich hier aufs Rad gestiegen bin. Es hat ein paar Monate gedauert, meine Angst zu überwinden und in dieser Riesenstadt, die so ganz anders ist als Amsterdam, loszufahren. Dort wissen alle, wie man Rad fährt, man hat die richtige Infrastruktur, und fast alle Autofahrer geben auf Radfahrer acht. In New York ist das nicht so, und man muss selbst aufpassen, so zum Beispiel, dass man nicht eine Autotür ins Gesicht bekommt. Zudem sind die Straßenbeläge manchmal schwierig, sodass Radfahren an einigen Stellen etwas gefährlich sein kann. 

Nichtsdestotrotz hat sich die Stadt in den letzten 10 bis 15 Jahren deutlich verändert und ist im Vergleich zu früher fahrradfreundlicher geworden. Es ist kaum zu glauben, welche Anstrengungen dafür unternommen werden. Man sieht heute eine ganze Menge speziell ausgewiesener Fahrradstreifen. Auch die Zahl der Radfahrer nimmt zu. Das Bike-Sharing-System CitiBike hat dazu beigetragen, diesen Prozess zu beschleunigen. Das ist ein weiterer großer Unterschied zu Amsterdam, wo die meisten Leute ein eigenes Fahrrad haben.

 

6.  Hast du in deiner Zeit als Fahrrad-Bürgermeisterin etwas erreicht, auf das du besonders stolz bist? Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Besonders stolz bin ich darauf, dass sich das, was einst als Experiment begonnen hat, zu einer etablierten weltweiten Organisation entwickelt hat, die immer noch weiter wächst. Seit dem Start des Programms in Amsterdam 2016 wurde es weltweit in 25 weiteren Städten übernommen, darunter Beirut, Rio de Janeiro, Sydney, Kapstadt und Istanbul. 

Es werden immer mehr Bürgermeister, die in einem weltweiten Netzwerk von städtischen Katalysatoren Ideen austauschen und gemeinsam neue Lösungen entwickeln. Jedes Jahr kommen bereits über 100 Städtedelegationen nach Amsterdam, die verstehen möchten, wie wir zu einer Stadt des Fahrrads geworden sind. Stellt euch vor, wie es wäre, wenn alle diese Städte einen Fahrrad-Bürgermeister hätten, der ständig mit einem aktiven weltweiten Netzwerk von Innovatoren in Verbindung steht!

Und natürlich hoffe ich, dass das Programm auch in New York verwirklicht wird. Wir haben noch keinen Fahrrad-Bürgermeister, aber wir tun unser Bestes, um die Stadt dazu zu bewegen, in naher Zukunft einen zu wählen. Hoffentlich ist das nur eine Frage der Zeit.